Zu Beginn des Abschlusskonzerts der Klangcooltour 2009. Foto: DGerards
Wie Headliner Pascal Finkenauer das Publikum verzaubert. Foto: DGerards
Während der Bekanntgabe der Gewinnerband. Foto: DGerards
Pascal Finkenauer
Pascal Finkenauer
geklickt, gerockt, gewonnen /// / Initiatoren, Organisatoren, die Bands und das Marketing sind sich einig: Das Finale der Klangcooltour 2009 auf der Burg Wilhelmstein ist ein gelungenes Start-Up, trotz widriger Wetterumstände. Während sich zur Onlineabstimmung innerhalb von 14 Tagen über 1.600 Nutzer registrierten und abstimmten, verzeichnete die Burg Wilhelmstein am Samstag, den 06. Juni 2009 etwa 300 Besucher.
Inditronic-Helden "Kids in the Riot" /// /// Während "Longing for Tomorrow" sowie "Age Are" durch die Onlineabstimmung jeweils mit knapp 2.000 Stimmen in das Finale geklickt wurden, entschied sich die erste Jury, bestehend aus Experten der Musik Branche, für die Band "Kids in the Riot". Alle drei Bands lieferten bei dem Konzert eine überzeugende Live-Show. Nach hitzigen Diskussionen entschied sich die zweite Jury, bestehend aus den Verantwortlichen der Burg Wilhelmstein, ebenfalls für "Kids in The Riot". Der Inditronic Sound der fünfer Combo begeisterte demnach nicht nur das Publikum.
Pascal Finkenauer liefert absolute Wahnsinnsshow /// // Er ist nicht nur intelligent. Er ist charmant, er ist voller Gelassenheit und zugleich voller Feuer: Mit seiner brillanten Stimme, seinen geistreichen Texten und seiner unnachahmlichen Bühnenpräsens stellte Pascal Finkenauer sein neues Album "unter grund" vor. Das Publikum war angenehm berührt, das Klangcooltour Team voller Begeisterung für diesen Musiker, der unscheinbar und zugleich unübersehbar seine melancholischen bis heiteren Lieder singt. Die Überraschung des Abends saß hinter den Instrumenten: Die Back-Up Band von Finkenauer war niemand geringeres als die Back Up Band von "Fettes Brot"!
im Gespräch mit Pascal Finkenauer /// // Klangcooltour: Deine Textzeilen sind voller Melancholie. Ist dieser Eindruck berechtigt?
Pascal Finkenauer: Viele meiner Stücke sind melancholisch. Aber: immer voller Hoffnung. Melancholie ist ja ein eher positiver Zustand im Sinne von spürbar lebendig. Ein intensiver Moment, dessen Vergänglichkeit bewusst wird. Diese intensiven Momente können vieles sein, Ekstase, Wut, Trauer, Glück. Deswegen findet sich das auch alles bei mir. Mich interessieren die extremen Momente.
KCT: Was dient dir als Grundlage für deine Texte?
PF: Zuallererst die Musik. Einen fertigen Text zwischen Takte zu pressen kann schwierig sein. Es gibt vorher schon Textbilder, Fragmente und Ideen, die als Skizzen bestehen, aber mir ist wichtig, dass sich Text und Musik ergänzen. Darum gibt es zuallererst eine Stimmung, enthalten in der Musik, entstanden durch äußere Einflüsse und Erlebnisse, dann eine Melodie. Mit den vorhandenen Textideen sollte daraus im besten Fall eine Art Dreidimensionalität für den Hörer entstehen.
KCT: Mit wem hast du bei "unter grund", deinem aktuellen Album, zusammen gearbeitet?
PF: Wie der Titel schon sagt, entstand das Album eher im Stillen, allein, und bei mir zu Hause. Meist habe ich meine Wohnung nur nachts verlassen, um ein bisschen Luft zu bekommen, um dann bis zum Morgen weiterzuarbeiten. DJ Pauly (von Fettes Brot) hat später meinen Gesang aufgenommen und auch einen Teil der Songs gemischt. Swen Meyer, der zb. Kettcar und Tomte produziert hat, mischte den Großteil des Albums. Ich arbeite auch viel mit anderen im visuellen Bereich. Freunde von mir, die von Fotos, Videos und Artwork, bis hin zur Internetseite Ideen zu meiner Musik umsetzen.
KCT: Gibt es eine wiederkehrende Aussage, die du mit deiner Musik kommunizierst?
PF: Nein, nicht wirklich. Ich beschreibe Stimmungen und Momente - in denen die Dinge ohne Regeln und Grammatik funktionieren, aufbrechen und nicht wirklich zu benennen sind. Daher die oft verschachtelte Sprache. Am Ende bleibt vielleicht: es gibt keine Regeln - in Bezug auf deine Individualität: das , was du bist, was du sein willst, wo du hingehst, was morgen passiert - keine Regeln. Schon gar nicht in der Kreativität.
KCT: Wann hast du beziehungsweise wann hat die Musik dich gefunden?
PF: Ich habe mich schon als kleiner Junge für Musik interessiert. Das begann mit klassischer Musik, den 80ern, amerikanischen Songwritern, landete dann im progressiven Hardcore, bei Electro und Punk und eben auch bei den Sachen, die ich jetzt mache. Zur Veröffentlichung meiner letzten Platte habe ich sogar ein eigenes Label gegründet. In der heutigen Zeit ein wirtschaftlich nahezu aussichtloses Unterfangen. Aber mich hat einfach interessiert, wie so etwas funktioniert, wie frei bin ich dann wirklich? Das Durchhaltevermögen braucht man nur, wenn man keinen Spaß hat. Ich habe genug Zeiten erlebt, in denen es schwierig war, aber aufhören kann man dann nicht.
KCT: Wie ist es zu der Zusammenarbeit zwischen Martin Vandreier, Boris Lauterbach, Björn Warns (fettes Brot) und dir gekommen?
PF: Ich kannte sie, da ich damals mit meiner Punkband auf ihrem alten Label YoMama unter Vertrag war, auf dem auch meine erste Soloplatte erschien. Wir spielten zwei Supportshows für sie und sind uns da ein bisschen nähergekommen. Auf der Suche nach einer Stimme für das Stück An Tagen.. riefen sie mich an und fragten, ob ich nicht versuchen möchte darauf zu singen. Im Anschluss fragten sie, ob ich nicht Lust hätte, sie auch auf ihrer Tour zu begleiten. Daraus sind nun fünf Jahre geworden.
KCT: "Absolute Wahnsinnsshow, im Fernsehen und im Radio (...) Niemand, der mir sagt wieso" - diese Zeilen klingen gesellschaftskritisch!?
PF: Selbstkritisch sicherlich auch.
KCT: Bist du politisch motiviert?
PF: Es gibt Ideale und Meinungen, in Bezug auf den Respekt und Umgang miteinander, die Achtung vor der Würde des Einzelnen, auch in Bezug auf die Natur, da gibt es keinen Zweifel, dafür gehe ich auch auf die Straße. Das sollte aber bei jedem liberal denkenden Menschen selbstverständlich sein. Ansonsten mache ich Musik und schreibe Stücke.
KCT: Was macht "politische Motivation" für dich aus?
PF: Nachdenken - sich über Konsequenzen bewusst sein - Überzeugung. Das beginnt, wie gesagt, zu allererst mit dem Respekt vor dem anderen.
KCT: Wählen gehen bedeutet ...
PF: ...der Demokratie eine Daseinsberechtigung geben.
KCT: Hast du eine Anregung, was die Politik tun kann, um junge Menschen dazu zu bewegen, wählen zu gehen?
PF: Politik kleidet sich gern in ein spießiges Gewand - und das ist ja nun nicht unbedingt notwendig.
KCT: Wie hat es dir das Klangcooltour Festival gefallen?
PF: : Ich finde es schön und bin zufrieden - vielen Dank.